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NOTIZ ZUR GEGENSTÄNDLICHEN MALEREI

© by Franz Krahberger

Die gegenwärtige Geringschätzung der Malerei, insbesondere der gegenständlichen im Kunstbetrieb und unter den Künstlern selbst ist eigentlich erstaunlich gegenüber der Wertschätzung und dem grossen Publikumsinteresse, die der Malerei in Ausstellungen verstorbener Malergrössen und in Zusammenstellungen von Kunst werken vergangener Epochen erfährt.
Die Bilderfeindlichkeit ist nicht an allen Plätzen zu finden. Der Erfolg bestimmter Malschulen in der BRD etwa steht einer mehr oder minder völligen Ingnoranz gegenüber gemaltem, insbesondere Gegenständlichen in Wien gegenüber. Hier werden bestimmte Formen des abstrakten und des aktionistischen gestischen und Expressiven gerade noch toleriert.
Der Gegenstand, besser die malerische Verarbeitung des Gegen standes erscheint verpönt.
Wir leben jedoch keinesfalls in einer Zeit, die etwa das Gegenständliche verbannt hätte.
Im Gegenteil, über die Trägermedien Fotografie, Film, Video und Fern sehen werden mehr denn je gegenständliche Darstellungen vermittelt. Nur, im Kunstbereich wird die gegenständliche Form von einigen als hoffnungslos veraltet angesehen und dementsprechend schlecht ist ihr Ruf im Galeriewesen und damit auf dem für den Künstler so wichtigen Markt.
Diese eigenartige Ausgrenzung, und eine Attitüde der Avantgarde war immer, ähnlich wie in totalitären gesellschaftlichen Systemen die Ausgrenzung, wird hingenommen und nur insgeheim beklagt. Das Publikum, das Gegenständliches sehen will, und es auch in Ausstellungen verstorbener Künstler sieht, wird als mehr oder minder unkundig, als banal und nicht dem state of the art abqualifiziert.
Die gegenständliche Darstellung deswegen jedoch für alle Zeiten aus dem künstlerischen, malerischen Repertoire verbannen zu wollen, halte ich für völlig unsinnig und ungerechtfertigt.
Es gilt neu zu überdenken, welche Qualitäten der Wahrnehmung durch die Geringschätzung der gegenständlichen Form verloren gehen, beziehungsweise nicht zum Tragen kommen.
Ebenso bemerkenswert ist , daß die Diskussion des Schönen, die über Jahrhunderte die Entwicklung der Kunst bestimmt, aus derselben weitgehend eliminiert wurde. Jedoch ist auch das sogenannte Schöne damit nicht aus unserer Kultur verschwunden. Die damit verbundenen Vorstellungen weiblicher Schönheit, und die war allemal zentrales Thema der bildenden Kunst, haben sich in die Mode, in den Lifestyle, in die Kosmetikindustrie, ins Erotikgeschäft verlagert. Die ungeheuer angewachsene Strahlkraft der Modells zeugt über lange Zeit davon. Ebenso wird das Naturschöne in der Kunst nur mehr rudimentär behandelt. Das Naturschöne ist heute zu einem zentralen Thema der Touristikindustrie geworden.
Mit dem verschwindenden Gegenstand verflüchtigen sich die Inhalte. Als gewichtiges Argument wider die gegenständliche Malerei wurde vorgebracht, das dies oder jenes Bild zu literarisch wäre. Damit wurde ausgedrückt, daß es zuviel erzählerischen Inhalt besitzt.
Der erzählerische Inhalt ist neben der Formbeherrschung und der Wahl der stilistischen Mitteln eine wesentliche Qualität der gegen ständlichen Malerei.
Das Bild erzählt mir etwas über einen Gegenstand, eine Person, eine Landschaft, stellt Gegenstände zu einander in Beziehung. Diese Beziehung muss keinesfalls realistisch sein, sie kann surreal ausgerichtet sein, sie kann auf Stimmung abzielen, sie kann das umfangreiche Repertoire des Gegenständlichen in verschiedene Richtungen ausschöpfen.
Das malerische Portrait sagt über die oder den Portraitierte(n) etwas aus. Es ist imstande, Charakterzüge, Gemütsbewegungen, der Person eigentümliches zu vermitteln, es beinhaltet ebenso die Interpretation des ausführenden Künstlers, seine Sehweise, seinen Blickwinkel, seine Anschauung der Person oder des festgehaltenen Gegenstands.
Die Malerei ist hier der Momentaufnahme weit überlegen, verfügt sie doch über eine grössere kalkulierbare Gestaltungsbandbreite und sie lässt den Gegenstand anschaulich werden. Sie führt hin zur Anschauung, zur Betrachtung. Sie lässt uns in der Flut der elektrischen, fotografischen und gedruckten Bildchen inne- und stillhalten. Wer wieder zu sehen gelernt hat, wird auch in unserer hastigen Alltagswelt die vielen kleinen menschlichen Gesten und Ausdrucksformen wieder entdecken.


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