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Botschaften vom Ararat


© Marianne Gaponenko

Marianne Gaponenko, geboren September 1981 im Süden der Ukraine/Odessa am Schwarzen Meer. Derzeit Studentin der Germanistik..
Verbrachte insgesamt drei Jahre in Bulgarien, zwei Jahre im Gebirge Ararat. Dort begann sie zu meditieren und folgte den Spuren jener Märchen, die sie in ihrer Kindheit gelesen hat.
Sie setzt sich damit auch mit der Geschichte und Erfahrung ihrer Familie auseinander, die aus der ihrer Meinung nach "wilden Kultur" des Ararat kommt.
Die Texte, die Marianne Gaponenko an das Electronic Journal Literatur Primär gesandt hat, werden erstmals publiziert.

schwarz ward ihr alle
raben-torwächter schwarz
wenn ich in den turm
um mitternacht wiederkehrte
in die arme des geliebten

zu schnee wurdet ihr alle
am morgen

Dulzinea zu Quichotte

Die zartesten und schwersten Rosen
Werden zuteil, mir und dir!

Nichts kann nun meine Worte aufhalten
Sie sind Perlen, sie rollen mir durch die Finger

Mit geöffnetem Visier
Wälzt du dich im Schnee,

Die erste Rose an deinen Lippen,
Die zweite- in der Mähne deines Pferdes,

Aus deinem Schwert wächst die dritte,
Die vierte und die fünfte in unseren Herzen

Wollen Wurzeln schlagen.
Nein! Wir reissen sie heraus
Tagen sie als Fackeln vor uns.

Vogelfänger

vogelfänger sind dein gefolge, september,

irrt getrost durch das schlafende haar der ära

an der brust - zaubermaskotten mit luft eures landes

das durchsichtige vlies auf den schultern

als gabe der frau die tut, als ob sie schläft.

redet ihr laut, verwandelt sie sich in die katze,

zögert: zerreißen oder verführen, keine

rettung von ihrem haar,das kein haar ist,

sondern der wald, der durch euch irrt,

jeden von euch nach namen nennend.

lächelt und schlaft dichtaneinandergedrängt,

ihr, durchsichtiges vlies, das selbst kam

damit die schönste über euch tanzt

Netze

Es wurden netze
nach fischen geworfen,
es wurden haare
gekämmt eine stunde
vor morgen

es wurden sterne
hinaufgezogen

eine schar von frauenarmen
flatterte über den dächern

den kieselweg hinunter
liefen schlaflose lippen der frauen

gesungen wurden namen
der geliebten am ufer
und frauenherzen hochgeschleudert,
zärtlicher als höher,
höher als leuchttürme

geküßt wurden leere
hände der geliebten.

sternenstaub an den lippen
der frauen prophezeihte
den aufgang der sonne

Decke aus Atem

die faust voller schnee

das laken. dein kopf darauf
ein farn ohnegleichen

blühe tonlos, blühe aber
blühe ich flechte die decke

die decke aus atem
aus schwur und gedächtnis

erinnere der schneeflocke
die ins auge der liebenden gerät

sie schwebt; überm meer stürzt
hinab ich flechte die decke

ich decke dich zu, fange das
was dich nie mehr blind macht

entschlüpfe als flöte
den eingeschlafenen fingern

deine finger frieren nicht
meine blühen weiß

Ballade von der toten herzogin

tausend nebel lang
zählt der greise herzog
die stufen im schloß

tausend blätterfälle tief
klirrt im brunnen
der rostige ring

tausend sterne hoch
trauert der ringfinger

tausend schneeflocken schwer
ist die träne des blinden hundes

Glatteis

weiße pferde fallen.
wir,aus höflichkeit,
wenden den blick ab
und tarnen die lippen
den regenschirm auf-
gerissen wolkenumrisse
gleichen den zerquetschten
kippen besonders heute.
wir sind verwirrt
von abgefallenen kastanien
vom löffel-messerklirren
in fremden fenstern
es riecht nach altmodischem
nachtgranit.sich genieren heißt grübchen
an den wangen zeigen wollen
wie ungezwungen sie es machen,
die fallenden weißen pferde!
wie ungezwungen!
sie kokettieren,wenn sie sagen:
"es tat nicht weh".


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