Computer Medizin


Ausstellung im Technischen Museum Wien > fotografiert und besprochen von Franz Krahberger





1867 erfand der englische Arzt Clifford Allbutt das kurze Fieberthermometer. Fast 200 Jahre lang war es neben den Korperwaagen, die in Apotheken und auf Bahnhoefen gestanden haben, eines der wenigen Messgeraete, die Arzt und Patient zur Verfuegung gestanden haben. 1896 kam der Prototyp des modernen Blutdruckmessgeraetes hinzu, entwickelt vom italienischen Arzt Scipioni Riva Rocci. Auch das Stethoskop stammt aus dem 19.Jahrhundert. Anamnese, die Befragung, die Inspektion, die Betrachtung, die Palpation, das Abtasten, die Auskultation, das Abhorchen und die Perkussion, das Abklopfen blieb dem Geschick und der Erfahrung des behandelnden Arztes ueber.

Die eigentliche Hoch-Technologisierung der Medizin, einmal abgesehen von Eisernen Lungen, Roentgenapparaturen, Mikroskopie und Vergleichbarem beginnt mit der Raumfahrtmedizin. Erstmals war die MenschMaschine Schnittstelle von essentieller Bedeutung. Daten zur Befindlichkeit der Astronauten wurden ueber weite Strecken zur Ende gesendet und von Computern ausgewertet.

Heute, 50 Jahre spaeter, blicken wir auf ein breites Spektrum von Hochtechnologie in der Auswertung von Krankenbildern, in der physischen Behandlung und in der Lerntechnologie fuer Behinderte und Beschaedigte, die ohne Computersupport nicht mehr vorstellbar sind. Die eigentliche Symbolfigur des Zusammenhanges von schwerer Behinderung und hoher Intelligenz ist nach wie vor Astrophysiker Stephen Hawking. Hawking kann sich nur mittels eines Computers verstaendlich machen.

Das Heinz Nixdorf Museums Forum hat diese Ausstellung, die im Paderborner Computermuseum von Nixdorf vom 25.Oktober 2006 bis 1.Mai 2007 zu sehen gewesen ist, dankenswerterweise dem Technischen Museum Wien ausgeliehen. Hier koennen Sie sich noch bis zu 14.April 2010 klug machen. Ein ausgezeichneter Katalog Computer.Medizin > Hightech fuer Gesundheit und Lebensqualitaet aus dem Schoeningh Verlag, den ich nicht nur durchgeblaettert, sondern bis zu Ende durchgelesen habe, liegt kostenguenstig bereit. Hin und wieder pruefe ich wikipedia. Zum Feld der Computer Medizin hat sich noch keiner gefunden, der sich dazu etwas zu schreiben getraut hat. Suchergebnis: Negativ.

Ich will mit diesem Beitrag die Computermedizin wuerdigen. Ich selbst habe meine Erfahrungen mit einigen dieser Maschinen machen muessen und weiss heute, dass sie mir von grossem Nutzen gewesen sind. Auf Dauer moechte ich jedoch nicht davon abhaengig sein. Prothesen bleiben Prothesen. Was hilfts, wenn es ohne nicht mehr geht. Ab da an ist man auf die technische Qualitaet verwiesen, um Lebensqualitaet retten zu koennen.

Wenig habe ich gefunden ueber Atemphysiologie, gar nichts ueber den Geruchssinn, ueber den komplexesten chemische Wahrnehmungs- Sinn des Menschen. Computer koennen nicht riechen.

Sowohl seitens Ars Electronica wie des ZKM ist bislang diesem bedeutenden wie effektive Schnittfeld von Menschen und Maschinen kaum Beachtung entgegengebracht worden. Dem Paderborner Museums Forum und mit ihm dem TMW ist die Praesentation ueberzeugend gelungen.





























1968 wurde von Stanley Kubrick der Film Space Odyssey 2001, die Jupiter Mission, ins Kino gebracht. Der Film zaehlte zur Gattung des Science Fictions Films, obwohl bereits damals die Grenzen zwischen aktueller und kuenftiger Realitaet nicht mehr unterscheidbar gewesen sind. Heute, 2009, wirkt der Film gegenstaendlich normal. Die NASA ist auf dem Trip zum Mars. 2030 will man dort ankommen.

Computer HAL 9000 schaltet aus eigener Entscheidung die lebenserhaltenden Maschinen dreier in Dauerschlaf versetzten Astronauten ab. Im Film soll das den Astronauten jahrelange Langeweile gepaart mit Untaetigkeit ersparen. Der feindlich gesinnte Computer, der durch einen logischen Fehler im Programm einem Doublebind nicht entkommen kann, schickt sie in den Tod. HAL hatte sich zwischen der Loyalitaet zur Mannschaft und dem uebergeordneten militaerischen Befehl zu entscheiden. Er glaubt, seine Mission nur erfuellen zu koennen, in dem er die Besatzung eliminiert. In Kubricks Space Odyssey endet es fatal. In der Intensivmedizin sind solche Maschinen lebensrettend.

Space Odyssey 2001 laesst sich diskursiv in vielen Fragen von Systemsicherheit und Computersecurity verstehen. Kubrick, vor allem der Autor Arthur C. Clarke hat eine sehr kritische Einstellung gegenueber der kuenstlichen Intelligenz, die in der Doppelbindung ebenso versagen koennte, wie die menschliche. Seine Botschaft, der Mensch soll die KI nutzen, sich ihr aber nicht ausliefern.

Kubrick beschreibt ein riskantes Manoever, ein Spiel auf Leben und Tod zwischen Mensch und Maschine. Der Computermedizin hingegen koennen wir uns ruhig anvertrauen. Allerdings nicht allein den Maschinen. Es bedarf erfahrener und bestens geschulter Aerzte, die imstande sind, die Mess- und Sichtungsergebnisse richtig zu interpretieren.

HAL 9000 singt, bevor ihm die CPU abgeschaltet wird, in der deutschen Version mit versagender Stimme ein bekanntes Kinderlied: Haenschen klein ging allein in die weite Welt hinein / Stock und Hut, steht ihm gut / ist gar wohlgemut / Aber Mutter weinet sehr, hat nun kein Haenschen mehr /. In der englischen Version singt HAL (steht fuer IBM) das Lied von Daisy Bell.






Die technisch fortgeschrittenste Einrichtung in Deutschland ist derzeit das Heidelberger Ionenstrahl Zentrum HIT. Die Strahlen des operativen Zentrums sind imstande, Tumore chirurgisch zu loeschen. Ein medizinischer Roboter fuer Feinstarbeit.


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Soziologische Aspekte

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HIT Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum

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