Bild Der Himmel
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Die Herrlichkeit des Schöpfers, der das Ganze
bewegt, die Glorie, die das All durchdringt,
strahlt hier in stärkerem, dort im schwächeren Glanze.

Dort war ich, wo das meiste Licht entspringt:
Im Himmel! Schaute die Dinge, die zu sagen
Menschlicher Kraft und Zunge nie gelingt.

Denn, dicht an seiner Sehnsucht Ziel getragen,
Sinkt unser Geist so tief: den Rückweg weiss
Erinnerung nicht wieder einzuschlagen.

Aus dem 3.Buch der göttlichen Komödie,
Paradiso, 1.Gesang
Durante Aldiger Dante Alighieri
transmesser

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit Gott oder auch nur den Himmel zu erklären. Über Augustinus wird folgende Geschichte erzählt:

Er geht den Strand entlang und sinnt über die Grösse Gottes und des Himmels nach. Da wird er auf kleines Kind aufmerksam. Das Kind hat ein Schöpfkehle in der Hand, mit der es Wasser in eine kleine Grube, die es in den Sand gehöhlt hat, schüttet. Dann läuft es wieder zum Meer, erneut Wasser zu holen, kehrt zurück und giesst das Wasser in die kleine Grube.

Der Vorgang wiederholt sich immer wieder, bis Augustinus auf das Kind zutritt und es frägt, was es denn da bezwecke. Das Kind sieht ihn an und sagt: Ich schöpfe das Meer in diese Grube.

Aber Kind, sagt Augustinus, siehst du nicht wie gross das Meer und wie klein deine Grube ist.

Da sieht das Kind den Augustinus mit leuchtend klaren und klugen Augen an, und sagt: Und du, Augustinus, willst dir ein Bild von Gott machen?

Augustinus, Thomas von Aquin, Dante. Alle sie waren sich dieses unauflösbaren Mysteriums bewusst. Noch James Joyce nimmt es im Ullyses auf. "Put all space in a nu(o)t shell."

Wie soll man den Himmel darstellen ?

Stammel wählt das Bildnis einer Frau und bestimmt damit wesentlich die Ikonologie des gesamten Ensembles. Auch die göttlichen Tugenden sind Frauenfiguren und die vielen in den Fresken versammelten Wissenschaften., Künste und Weisheiten haben Frauen als Bedeutungsträger. Das geht wohl zurück auf die griechische Mythologie, in der Frauen als Quell der Weisheit angesehen wurden.

Die weibliche Gestalt wird getragen von Wolken, vom luftigen und freien und geleitet von einem Engel. Zu ihren Füssen ein Putto, der wieder den Schlangenring in Händen trägt, Symbol der Ewigkeit. Doch hier ist er Fundament ewiger Glückseeligkeit, während er in der Höllenskulptur das Böse nach oben hin abriegelt zu ewiger Verdammnis.

Unter ihrer Krone trägt sie den griechischen Buchstaben Tau, Zeichen der Gerechten. Über ihrem Haupt ist das Auge des dreieinigen Gottes angebracht. Auf ihrer Brust weisen Brustkreuz und achtstrahliger Flammenstern die göttliche Erwähltheit.

In der rechten hält sie das Flammenherz. Es wird wohl das heilige Herz Jesu sein, das ab dem 17.Jahrhundert als Symbol der Verehrung und Anbetung auftaucht und in dem auch Opfermythos mitschwingt. Es ist aber auch im Barock das Bildnis der irdischen und himmlischen Liebe.

Im biblischen Sprachgebrauch steht es für Zuneigung, Liebe und Verlangen. Es ist der Sitz der Liebe und des Hasses, der Zuneigung und des Widerstrebens, des Verlangens und der Ablehnung. Da es zu denken und zu entscheiden vermag, kann es mit dem Geist parallel gesetzt werden.

Auch die christlichen Tugenden, die den Weg zum Himmel sichern, das Beten, Fasten und Almosengeben sind angeführt. Ein Putto weist das Gebet mit gefalteten Händen. Auf der Stirn trägt er einen Stern.

Dem Fasten-Putto bringt ein Rabe ein Stück Brot in Form des Admonter Wappens.

Doch lassen wir nochmals Dante zu Wort kommen:

Dann stand die hehre Fantasie verweist;
Schon aber folgte Wunsch und Wille gerne
der Liebe, die in ewigem Gleichschwung kreist, ihr, die die Sonne rollt und die anderen Sterne.

Canto Paradiso, 33, Fin

 
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